Poljot russian watches |
Wednesday, December 12, 2001
USSR-Boom on Internet - Shop FOR ENGLISH GO TO www.poljot1.com Die Uhren der Sowjetunion von Moskau nach Zürich in alle Welt [ 5 Pressefotos anzeigen] Zürich (pts, 3. Dez 2001 16:16) - 1998 hat der heute 34jährige Zürcher Architekt Daniel Schulthess, damals noch Student, eine einfache Seite mit 5 verschiedenen Uhren aus Russland ins Netz gestellt. Der Online-Verkauf war nicht so einfach, obwohl die Bezahlung mit allen gängigen Kreditkarten schon damals möglich war und die Seite http://www.poljot.ch bald in vielen Suchmaschinen und Verzeichnissen eingetragen war. Alle 3 Wochen wurde mal eine Uhr abgesetzt; mit der Einstellung des 1. derartigen Shops überhaupt, welcher auch der Zulieferer war, http://www.poljot.com - wurde die Sache danach erstmal aufs Eis gelegt. Schon im Jahr 1930 umfasste das Areal der 'Ersten Moskauer Uhrenfabrik' eine Fläche von 25 000 Quadratmeter. Produziert wurden vor allem Armbanduhren. Laufende Modernisierung und Verbesserung von Einrichtungen, technologischen Prozessen und damit der Uhrmechanismen ermöglichte die Ausweitung der Produktion auf Flugzeug-, Stop-, Automobil- und Schiffsuhren. 1937 wurden bereits 450.000 Uhren und Armbanduhren hergestellt. Die damals in der Slowakei bekannte Herrenarmbanduhrenmarke - 'Pobeda', hergestellt in der 'Ersten Moskauer Uhrenfabrik' wurde nach dem ersten Weltraumflug von Juri Gagarin auf 'Poljot' - russisch 'Flug' umbenannt. Die Russische Weltraumfahrt als Gradmesser des technologischen Fortschritts war bis in die 60er Jahre der Amerikanischen einen Schritt voraus. In dieser und anderen Disziplinen richtetet man sich in der UdSSR in Sachen Design aber schon damals nach dem Westen, so sahen die Edellimousinen etwa von 'Wolga' einem amerikanischen 'Plymouth' sehr ähnlich - oder auch Elektrogeräte und die Architektur der Moderne glichen den westlichen Pendants sehr, alles hatte aber trotzdem den charakteristischen 'sowjetischen Touch' - welcher durch besondere Gradlingkeit und Schnörkellosigkeit definiert war. Andere grössere Uhrenmarken kommen aus Leningrad (Raketa) oder waren Armeezulieferer Vostok). Für den damaligen Sowjetbürger waren aber insbesondere die Uhren der Marke Poljot kaum erschwinglich. Sie waren hohen Funktionären und Militärs oder eben Astronauten vorbehalten. Schulthess ist kein Militärfreak, im Gegenteil. Der gezwungene Korporal sieht keinerlei Sinn in der Schweizer Armee, wie sie derzeit immer noch betrieben wird. "Die Armee wurde schon 1989 von 70 % des Auszuges abgeschafft und hat seither eigentlich in dieser Form keine Berechtigung mehr". Trotz dieser Aversionen ist er überzeugt von der Ästhetik in militärischen Gebrauchsgegenständen, weil sie für ihn in Form, Farbe und Ausstattung eine Reduktion auf die Funktion darstellen. Gegen Ende der 60er Jahre fanden die Quartzuhren im Westen grosse Verbreitung; sie waren ganggenauer und billiger herzustellen - in der Schweiz wurde die Produktion von mechanischen Werken stark gesenkt. Mechanische Uhren galten nicht mehr als modern. Poljot konnte mehrere ganze Fertigungsstrassen für das 3133-er Valjoux-Kaliber von Omega zu günstigem Preis übernehmen. Auch das heute noch verwendete Werk 2612 mit mechanischem Läutwerk oder jenes der Flugzeug-Borduhren sind baugleich und damit auch in der Qualität fast ebenbürtig mit älteren Uhrwerken aus Schweizer Schmieden. Daniel Schulthess war schon als Kind fasziniert von mechanischen Uhren, hatte schon früh mit defekten Weckern und Armbanduhren des Grossvaters herumgebastelt - und entdeckte beim Architekturstudium und insbesondere bei einer Seminarreise nach Ostberlin vor dem Mauerfall die Russische Gestaltung in Bauten, Kunst und Propaganda-Grafik und kaufte auf der Strasse eine Uhr der Marke 'Raketa' für 5 US-$. In der Studenten-WG wurden Pläne für den Import geschmiedet. Ueber die russische Handelskammer besorgte man sich Adressen und Faxnummern der grossen Marken - daraus resultierte (mangels Sprachkenntnissen beiderseits) nur eine enttäuschende Lieferung von Quartzuhren, für welche man auf dem Schweizer Markt keine Chance sah. Vereinzelt gab es andere Händler, die es hierzulande schon mit dem Vertrieb versuchten, darunter ein Herr Frutiger, der von seinen Fahrradtouren durch Russland immer mal wieder Uhren mitbrachte. Und plötzlich machte die Firma 'Ostwok' in Fehraltorf mit doppelseitigen Zeitungsinseraten und einer grossen Plakate-Kampagne auf seine Kollektion von russischen Militäruhren auf sich aufmerksam. Sehr umstritten vor allem bei den kleinen Händlern; die Firma versuchte nämlich, den Verkauf der Uhren der berühmten Marke VOSTOK gerichtlich weltweit zu verbieten. Schulthess sah keine Zukunft mehr mit seinen Vertriebsplänen und wandte sich wieder voll seinem Studium zu. So schnell die Ostwok-Uhren aufgetaucht waren, so schnell verschwanden sie dann auch wieder von der Bildfläche; die Rechtsstreitigkeiten gingen wohl auch an die Substanz. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetreichs und der politisch-ideologischen Neuorientierung in den Köpfen des Russsischen Volkes schwand das Interesse an den Relikten und damit der Absatz im Land. Destomehr richtete man sich in der Moskauer Fabrik (oder was davon noch übriggeblieben war) auf den Export aus. Erst mit der Verbreitung des Internets konnten Herstellung und Vertrieb in den Moskauer Werken wieder ausgebaut werden. Vor allem in den USA erfreuen sich die Uhren bei Sammlern und Russlandfreunden wachsender Beliebtheit. Ein erstes sehr erfolgreiches Modell war der Fliegerchronograph, welcher inspiriert vom berühmeten klassischen Vorbild von Junghans in einer Stückzahl von über 10'000 produziert worden ist. Per Internet konnte sich Daniel Schulthess nach Abschluss des Studiums später rasch einige Kontakten zu Moskau aufbauen. Der Baumarkt war 1996 auf einem Tiefstand, eine gute Stelle als ETH-Architekt nicht zu finden. Schulthess wandte sich vermehrt seinen Fähigkeiten in Grafik, 3D- Visualisierung und Multimedia zu - und arbeitete dann 2 Jahre lang in der Internetagentur Crealogix, wo er zuerst Spiele in 3D entwickelte und später auch viele andere Aufgaben im Wedesign übernehmen konnte. Ende 1999 gründete er dann mit einem Partner die eigene Internetagentur :: subwave Internet. Die Uhrenseite http://www.poljot.ch wurde nebenbei und eher als Hobby geführt - obwohl man schon beim Start der Firma nicht an ein weiteres Anhalten des damaligen Booms mit dem Webdesign glaubte. Der Uhrenshop ist eines der zahlreichen eigenen Projekten und Konzepten, welche man parallel zu den Kundenaufträgen startete. Um mit der Firma zu überleben konzentrierte man sich Ende 2000 vermehrt auf das Uhrengeschäft, ein 100 prozentiger Zuwachs bei den Bestellungseingängen war im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen, ohne dass man gross Werbung gemacht hätte. Die Seite wurde in weitere Sprachen übersetzt, hier und da gab es Verbesserungen. Und in Moskau wurden immer mehr Modelle produziert, teils auf Schulthess's Initiative oder Bestellung hin. Diese neuen Uhren waren genau das, was er sich gewünscht hatte - klassisches, solides Design - manchmal in Anlehnung an Modelle von Breitling oder IWC, aber immer mit dem historischen Touch der Sowjetunion. Die Domain http://www.poljot.com, natürlich in Russland heiss begehrt, konnte vom ehemaligen Betreiber gepachtet werden. Weitere URLs kamen hinzu; auch die Page http://www.vostok.ch mit den Marken Vostok, Raketa und Slava wird vom Atelier in Zürich-Wipkingen aus betrieben. Seit dem steigt der Umsatz laufend. Die Kunden befinden sich hauptsächlich in den USA und England - aber es gibt kaum ein Land welches nicht schon aus Zürich beliefert wurde. Es gab auch Rückschläge. Mit Kreditkarten wird auf dem Internet viel Unfug betrieben. Klar dass man nicht liefert, wenn mit einer US-Visa bezahlt wurde, die Empfängeradresse aber in Ex-Jugoslawien liegt. Aber wenn ein Mann aus Indonesien mit der eigenen Kreditkarte an die eigene Adresse bestellt ? Schulthess verlor auf diese Weise einige Tausend Franken; der 'Kunde' bestreitet nach Monaten plötzlich, je etwas bestellt geschweige denn erhalten zu haben; schon entsprechende Nachfrage bei VISA führt sofort zum 'Chargeback' - gegen den der Händler nichts unternehmen kann. Schulthess hat daraus gelernt und erkennt Betrugsversuche inzwischen sofort. 99 % davon kommen aus Indonesien meint er - und versteht nicht, dass die Kreditkartenorganisationen dies Treiben quasi unterstützen. Mit dem Bestseller-Chronographen 'Aviator' gab es sogar rechtliche Probleme. Die Firma Fortis aus Grenchen sieht im Design eine Verletzung ihres Rechts auf geistiges Eigentum und verbietet jeglichen Vertrieb des Modelles. Das Modell wird bis heute weltweit in riesigen Stückzahlen verkauft, in Deutschland verlor Fortis den Prozess, der dies hätte verhindern sollen. Aber trotz einiger differierenden Merkmale und kyrillischer Beschriftung kann die Uhr in der Schweiz bis heute nicht verkauft werden. Fortis bezeichnet es auf seiner Website http://www.fortis-watch.com als 'Fälschung'. Poljot drehte den Spiess um und konterte innert Wochen nach dem Prozess mit einer ganzen Modellpalette im Stil von Fortis- und IWC Uhren - hier hatten die Grenchner aber keine Markenrechte. In allen neuen Automatik-Modellen ist ausserdem ein echtes ETA - Werk eingebau, dasselbe wie bei manchen bekannten Schweizer Armbanduhren. Ein anderer Bestseller seit Jahren stellt das etwas klobige Modell SS18 dar, welches in einer modernen Art von Recycling hergestellt ist: Das Titan des Gehäuses stammt von den gleichnamigen Interkontinetalraketen, welche die USA bedrohten und später im Rahmen der START - Abkommen verschrottet wurden. Durch was zeichnen sich russische Uhren aus, ausser deren speziellem Design ? Die Qualität ist durchaus vergleichbar mit den grossen Schweizer Marken. Schulthess kauft in grossen Mengen ab der Fabrik in Moskau - immer mit Garantie. Die Endkontrolle der fertigen Stücke ist nicht ganz so streng wie in der Schweiz. So gibt es immer einen kleinen Prozentsatz mit mangelhaften Uhren - welche aber anstandslos umgetauscht werden, manchmal nach Monaten erst. Ueberhaupt wird Kundenservice gross geschrieben. E-Mail- Anfragen werden oftmals innert Minuten beantwortet. Auch wenn nach Jahren ein Problem auftaucht kann eine Uhr preisgünstig in Moskau repariert werden. Der Hauptvorteil liegt im Preis - eine mechanische Uhr in solcher Qualität und Ganggenauigkeit kostet sonst das 3- bis 10fache. "Das kann nur an den riesigen Werbekampagnen der Schweizer Brands liegen" meint Schulthess, der sich selber seine Traum - IWC auch noch nicht leisten konnte. Die Firma Breitling soll für deren Retro-Modelle sogar ein paar 10'000 3133er Chrono-Werke in Moskau bestellt haben - ein weiteres Indiz für die gute Qualität. Derzeit kommt man mit dem vorweihnächtlichen Ansturm auf die kuriosen Stücke zuweilen kaum zurange, des öfteren gibt es Lieferengpässe bei einzelnen Modellen. Und es gibt wieder neues 'echtes' Russen-Design; die neuesten Editionen der Modellreihen 'Buran' und 'Sturmanskie' sind wieder genau nach Wunsch - schlicht, funktional und historisch. Erst jetzt wird ein Redesign der Internetseiten in Angriss genommen, die Seiten sind nämlich immer noch im Zustand wie vor 3 Jahren, und sie stellen für die Internetagentur nicht gerade die beste Referenz dar. Eine professionelle Site ab Datenbankund allen erdenklichen Möglichkeiten wird Anfang nächstes Jahr aufgeschaltet. Die Partnerfirma, welche die Programmierung dazu macht hat ihren Sitz - natürlich in Moskau. Daniel Schulthess will damit dem Ruf seines weltweit ersten und grössten Shops für Uhren aus Russland gerecht werden. Dennoch sieht er sich zukünfig nicht als Uhrenhändler - sondern das Business als solide Basis, die echte Kreativität in anderen Bereichen erst zulässt. So beteiligt er sich wieder vermehrt an Architekturwettbewerben und verwirklicht neue Konzepte auf dem Internet. Die Ideen gehen ihm nie aus. 2006 : go to SWISSMADE.COM |